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Zurück nach Deutschland? – Warum der Weg immer das Ziel ist!

Ich weiß jetzt,
Auf dem Weg, auf dem ich lauf
Bin ich an so vielen vorbeigerauscht.
Auf dem Weg liegt
Was ich such.
Ich schau jetzt hin,
Ich lass es endlich zu.
(Mark Forster, Auf dem Weg)

„Der Weg ist das Ziel“, so sagt es das Sprichwort und seit 2016 haben wir uns als Familie auf diesen Weg gewagt. Alles was zu viel war, was wir nicht wirklich brauchten oder keinen Platz in unserem 6qm großen Wohnmobil gefunden hatte wurde verkauft, verschenkt oder auf 3qm eingelagert.

Und dann ging es volle Kraft voraus (ohne finanziellen Puffer und einem monatlichen Einkommen von rund 1100€ für fünf Leute. Ich sage ja: Nichts ist unmöglich!).
Mit dem 31 Jahre alten Wohnmobil (im Folgenden nur noch als Karl – Heinz bezeichnet, denn das war und ist sein Name!), dessen Motor im Frontbereich lauter knallte als unsere Stimmen sprechen konnten, reisten wir gen Süden.

Unser Ziel: Keines!

Unser Karl – Heinz. Man könnte meinen, es hätte keine guten Kameras gegeben…

 

Knapp zwei Jahre lang bewegten wir den 60PS starken (oder besser sauschwachen) dreieinhalb Tonner die Alpen hoch und wieder runter, parkten unser Zuhause an den schönsten Orten Italiens. Heiße Quellen, einsame Strände, abgeranzte Tankstellen, laute Partymalls, alles war dabei und brachte und für mindestens eine Nacht lang mehr oder minder guten Schlaf. Wohnten in Österreich und Deutschland, im Hochsommer und im tiefsten Winter auf vier Rädern (ne, der alte Mann war nicht winterfest. Aber die paar qm kriegt man schnell warm geheizt).

Karl – Heinz hatte gute und verdammt schlechte Tage. Manchmal mussten wir ihm liebevoll zureden und ihn streicheln, damit er nach längeren Standzeiten wieder genügend Kraft für die Weiterfahrt fand. Ja und oftmals reichte ihm das nicht aus. Somit wurde Peter von Zeit zu Zeit zum KFZ Mechatroniker und kannte sich immer besser mit dem alten, aber einfach gestrickten Saugdiesel aus.

Ob ein geplatzter Reifen auf der italienischen Autobahn, dem plötzlichen Stopp wegen nicht vorhandenen Diesels ( ja, darüber mussten wir nur ein einziges Mal streiten. Nach diesem Vorfall hatte Peter nämlich eingesehen, dass auch ein Karl – Heinz rechtzeitig Futter braucht), dem Aufsetzen und Funken schlagen des langen Hinterns am Berg, dem Überquillen des Kühlwassers in den Alpen oder abertausenden Regentropfen, die sich plötzlich zum Abendessen gesellten, dieses Wohnmobil hat uns gelehrt was Annahme einer Situation bedeutet.

Und so sitzen wir heute, viereinhalb Jahre später in Irland und können von einer Reise berichten die hätte steiniger, angsteinflößender und kräftezehrender kaum sein können.

Wir können so viele Geschichten aus unserem Leben mit drei Kindern erzählen wie andere Menschen am Ende ihres Lebens. Durch die innere und äußere Reise hat sich der Zugang zum Vertrauen einen Weg in unser Bewusstsein gebahnt, das uns heute ein Leben beschert, von dem wir vor vier Jahren nur hätten träumen können. 

Und wir sind immer noch auf dem Weg. Täglich lernen wir neue Dinge dazu, lernen auf unser Gefühl zu hören und Impulsen von außen zu lauschen, die wir mit unseren Werten und der viel zu oft vernachlässigten Intuition abgleichen können.
Wir sind weder angekommen noch fertig! Das Lebensbuch hat viele spannende Geschichten für uns geschrieben und bis zu meinem letzten Atemzug werden sich weitere hinzugesellen.

Wir sind auch keine Klassiker unter den Auswandererfamilien. Wir haben weder die so oft genannten 10.000€ auf der hohen Kante gehabt, noch einen Plan B. Unsere to do – Listen haben sich von alleine gefüllt, ohne dass wir im Voraus alles bis ins Detail geklärt hatten. Unsere Köpfe haben weder Saltos noch Purzelbäume vor lauter Sorgen geschlagen um diese Entscheidung zu treffen.
Was uns den Weg gewiesen hat, war das Herz! Und die Offenheit und Akzeptanz dessen, dass wir JEDERZEIT die Segel neu setzen dürfen.
Ich glaube, das ist sowieso der wichtigste Punkt an Entscheidungen im Leben: Die meisten Menschen haben eine Erziehung genossen in der es darum ging „Wenn du etwas anfängst, dann bring es auch zu Ende!“. Ich kenne das nur zu gut, wie du in meinem Artikel „Unser Leben ohne Schule – wie bitte WAS?“ nachlesen kannst.

Und je mehr ich mich von den Fesseln unserer westlichen Gesellschaft frei machen konnte und gelernt habe (ohne Mediation oder Selbstliebe Online Kurse), dass es um MICH geht, desto einfacher konnte und kann ich Entscheidungen treffen.

Wenn wir als Familie also morgen wieder losziehen und die Idee haben erneut im Wohnmobil rumzureisen, wenn wir übermorgen entscheiden nach Deutschland, Australien oder Timbuktu zu ziehen und die Gründe VOR UNS SELBST rechtfertigen können, dann werden wir das auch tun!
Denn niemand außer uns selbst kann der verdammte Richter über unseren Lebensweg sein. Niemand! Außer wir lassen es zu!

Eins noch zur Klarstellung: Wir lieben diese Insel so sehr. Jeder Feenwald, jede Brise Meeresluft, jedes Lächeln der Menschen und jedes schwarze Schaf auf den großen Weiden bringen mein Herz zum hüpfen.
Wir haben aktuell überhaupt kein Interesse daran wieder zu gehen. Wir fühlen uns pudelwohl hier.
Aber sollte sich diese Einstellung irgendwann ändern und sollten sich dann die Gründe dafür für stimmig anfühlen, dann werden wir auch hier unsere Zelte abbrechen und re-agieren.

Weil es unser Leben ist und niemand genauso spüren oder denken kann wie wir, solange er nicht in unserer Haut steckt. Und dass das passieren wird, ist wohl eher unwahrscheinlich.

Ich erhalte so viele Anfragen von Menschen, die ihre Sorgen und Ängste beim Thema Auswandern mit mir teilen. Ich danke für jede einzelne! Es ist so schön, mit euch im Austausch zu sein.
Deswegen möchte ich hiermit allen (m)eine Antwort geben, deren Kopfkarussell sie abhält ins Tun zu kommen, deren Gedankensprünge sie selber nicht mehr nachvollziehen können und deren Schweinehund immer wieder die Oberhand gewinnt:

Gehe deinen eigenen Weg. Folge deinem inneren Kompass und nimm Abzweigungen und vermeintliche Rückschläge in Kauf, in dem Wissen, dass sie deinen Erfahrungsschatz bereichern und du aus ihnen lernen wirst. Finde Lösungen für aufkommende Herausforderungen und sei mutig dabei, die allseits bekannte Komfortzone zu verlassen.

Sag deinem blockierenden inneren Anteil: F*ck you! Ich mach´s trotzdem! 🖕🖕

Denn das Leben kann so facettenreich, so wild, so lustig, laut, still, lebendig, so anstrengend, so aufregend und magisch sein, wenn du dich traust, einen Fuß vor den nächsten zu setzen!

❤️ Gib den Raum frei für zauberhafte Dinge und Situationen, mit denen du niemals gerechnet hast ❤️

 

Welche mutigen Schritte bist du bereits gegangen und was hat sich daraus ergeben? Schreib´ mir gerne in die Kommentare. Ich freue mich sehr darüber!

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