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Wir Erwachsene sind das Problem, nicht unsere Kinder! Ein Plädoyer für mehr Achtung

Gefühlschaos beschreibt wohl am besten was in mir vorgeht, als ich meine Söhne zur Hospitation in einer Schule abgebe.

Gerade aus einem sehr freien Leben in Irland gekommen, gestaltet sich unser Alltag mit festen Terminen eher holprig.

Unsere to -do Liste ist 23559544 km lang und manchmal habe ich das Gefühl, mir wachse alles über den Kopf.

Zwischen lang ersehnten Gesprächen und lauten Lachanfällen mit unseren Freunden bei denen wir seit zwei Wochen leben, spüre ich regelmäßig den schweren Druck auf meiner Brust, dieses Gefühl von „gelenkt sein“ und einer Unfreiheit, wie ich sie beinah nur aus Zeiten meiner eigenen tiefsten Pubertät kenne, in denen ich aus meinem Kokon ausbrechen wollte, die Schale aber scheinbar zu fest geworden war.

Ich denke in den letzten Wochen oft an meine Jugend zurück und welche Vor -und Nachteile mein Leben damals hatte. Und letztlich war die Waldorfschule ab der 6. Klasse für mich wahrscheinlich ein besserer Ort zum leben, als jede staatliche Schule es jemals hätte sein können.

Und dennoch: Wie oft habe ich mich nicht ernst genommen gefühlt, wie oft musste ich mich vermeintlich für meine gute Bildung, „wegen später“ entscheiden, statt dem zu folgen, was in mir auf Erlaubnis wartete?

Alles, was sich auf der Schulbühne abspielte, was mit Bewegung, Tanz, Sprache, Performance und Improvisation zutun hatte, ließ mein Feuer brennen und brachte die Katharina zum Vorschein, die wirklich in mir steckt. Dann fühlte ich mich in meiner Haut pudelwohl und konnte meinem wirklichen Charakter Ausdruck verleihen.

Denn wenn mir eine Sache wirklich liegt, dann ist das Kommunikation. Ob beim Schauspiel, Ausdruckstanz oder damals in der Schule beim Eurythmieabschluss, der mir erlaubte eigenen Stücken Gestalt zu verleihen.

Ja, wenn ich frei, wild, lebendig sein darf, dann entwickle ich eine Kraft, die Berge versetzen bzw. Entscheidungen treffen kann, die mich in meinem Leben immer bereichert haben!

Denke ich an langweilige, eintönige und zeitverschwendende Unterrichtsstunden wie Geschichte, Mathematik oder Chemie zurück, so wird mir noch heute ganz flau im Magen und ein mehr oder weniger starker Brechreiz macht sich unwillkürlich bemerkbar.

Dabei habe ich ein fantastisches Zahlengedächtnis, schon immer unsere Finanzen im Blick und das Know how auf spielerische Art und Weise Kontoauszüge auseinander zu nehmen und in geordnete Bahnen zu lenken.

Der Punkt ist demnach nicht, dass ich zu doof für all die ermüdenden Fächer gewesen wäre, sondern das der WEG und der ZEITPUNKT wie bzw. zu dem mir der Stoff vermittelt wurde offensichtlich der falsche war.

Und wenn dann die erwachsene Person, genannt Lehrer, vor lauter Lebensmüdigkeit und Überforderung absolut keinen Bock auf seine Schüler hat – Prost Mahlzeit!

Und heute sitze ich hier. Als Mutter dreier wunderbarer Kinder. Als Mutter dreier Individuen, die ich wirklich als diese begreife!

Sie könnten unterschiedlicher nicht sein und sind sich doch in ihren Grundbedürfnissen so ähnlich. Und wenn ich meine Kinder mit dem Herzen ansehe, dann nehme ich ihre feine Aura wahr, ihre Sanftheit und ihre unbändige Schöpferkraft. Dann kann ich spüren wie sie in diese Welt gewachsen sind und gelernt haben in einer Gesellschaft zu leben, die Kinder oft mit Missachtung oder fehlender Empathie straft. Dann meine ich zu wissen warum sie in diese Familie geboren wurden und was sie von uns Eltern brauchen, um ihre bunten Flügel zu spannen und in die Welt hinauszufliegen. Mit ihrem Auftrag. Mit dem, was sie im tiefsten Kern ihres Wesens berührt und nicht mehr loslässt. Mit einem Geschenk für die Menschheit und sich selbst. Mit Selbstvertrauen, Liebe und Potenzialen, die ihnen niemand mehr ausreden oder bewerten wird.

Das klingt alles wie unrealistischer und fantastischer Blödsinn? Na und!

Wo kämen wir denn hin würden wir verlernen zu träumen und an eine Vision zu glauben, die sich richtig anfühlt? Wieso meinen wir denn, Kinder müssten abgehärtet werden (lass dir dieses Wort mal auf der Zunge zergehen!)? Wie sehr können wir von unserem inneren Kind abgespaltet sein, wenn wir beginnen zu bewerten, verurteilen oder zu strafen?

Wir sind das Problem – wir Erwachsene!

Die Kinder sollten in Fürsorge, Vertrauen und Liebe gebettet werden. Damit sie stark genug sind wenn Stürme sie umzuhauen versuchen. Damit sie Krisen meistern und aus ihnen lernen können. Damit sie Verletzlichkeit, Wut, Trauer und Hilflosigkeit genauso integrieren, wie all die wundervollen Gefühle der Freude und des Glücks.

Damit sie niemals ihre Ziele im Keim ersticken, weil man ihnen beigebracht hat rational an die Umsetzung zu gehen. Damit sie NICHT den kritischen Stimmen ihrer Mitmenschen folgen, wenngleich sie spüren was ihr nächster Schritt ist.

Letztlich damit sie an sich selbst glauben und dieses Wissen tief verankert in sich spüren!

Wunder entstehen einzig und alleine weil wir uns erlauben ihnen zu begegnen!

Es macht mich wütend zu sehen, wie Kinder in unserer Gesellschaft behandelt werden und ich lehne mich dagegen auf, dass sie in Elternhäusern, Kindergärten und Schulen wie Bundeswehrsoldaten stramm zu stehen und hörig zu sein haben.

Alles in mir wünscht sich eine von Grund auf andere Herangehensweise im Umgang mit den Menschen, die in wenigen Jahren bereits die Welt regieren könnten.

Und da frage dich mal: Willst du weiterhin egogesteuerte, machtgierige und konkurrenzgeile Entscheider für unser Land? Bist du im tiefsten deiner Seele mit all der Ungleichheit, der Einteilung in „Schichten“, verhaltensauffälligen Erwachsenen und psychopathischen Freaks einverstanden?

Machen wir uns nichts vor: Wir sind alle verletzte Kinderseelen und Kriegsopfer der Generationen. Wir tragen Schuld, Scham und eitrige Wunden in uns. Jeder von uns tut das. Auch auf den Kindern der heutigen Zeit lastet all die Geschichte, versteckte Glaubensmuster und ja, auch die Fehler, die wir als Eltern machen. Aber ist das ein Grund die Zügel festzuzurren und keinen Raum mehr für Individualität und Entfaltung zu lassen?

Ich glaube nicht. Im Gegenteil!

Wir müssen mit dem ganzen, über Generationen angehäuften, Scheiß aufhören und alte Wunden heilen. Die Welt wird erst dann ein friedlicher Ort sein, wenn wir den Umgang mit uns selbst und unseren Kindern verändern.

Wenn wir beginnen, unser wegweisendes Herz endlich wieder zu hören!

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2 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Besser kann man es nicht schreiben. Auch wenn die Realität einen immer wieder einholt, so sollten wir die Kraft der Träume nicht unterschätzen. Du hast das wunderbar geschrieben!

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